Alben 2018 – Nr. 10: Sam Vance-Law – Homotopia

Ein Kanadier in Berlin. Ob hier sein „Homotopia“ Wirklichkeit wird, weiß ich nicht, jedenfalls kann er’s aufs Reizendste bassbesingen, und zwar mit großer Geste & Witz,  wie es sich also gehört. 

Die Freuden und Fallstricke des Narzismus klangen jedenfalls lange nicht mehr so schön, vielleicht  nicht mehr seit Morrisseys fernen guten Tagen, der alten Klemmbüchse – das hier ist: Leben feiern mit Formgefühl, ziemlich schnörkelfrei & dennoch opulent. 

Meine Alben des Jahres 2017

Dieses Jahr hat es leider nicht geklappt mit dem Machtdose-Jahresrückblick, was natürlich schade ist, aber nicht zu ändern. Manchmal gehen andere Dinge vor.

Ich haue deshalb einfach hier meine liebsten Alben rein. Meine Lieblingstracks habe ich ja bereits vor einigen Tagen in eine Youtube-Playliste gepackt

Bei den Alben sind es auch nur neun geworden, ein zehntes konnte ich nicht wirklich authentisch und eindeutig auswählen. Ich beschränke mich auch auf Kürzestbeschreibungen.

9 Arca – Arca

Die Vorgänger, die Alejandro Ghersi als Arca veröffentlicht hat, gingen nicht so wirklich an mich ran, zu sehr auf Dekonstruktion gebaut, theoretisch unter Sounderforschungsgründen vielleicht interessant, praktisch aber nicht wirklich für mich auf wiederholendes Hören angelegt. Wie ich erst durch die Pitchfork-Kritik zum aktuellen Album erfahren habe, war Arca mir davor aber längst bekannt und von mir sehr geschätzt, immerhin habe ich ihn unter seinem vorigen Projektnamen Nuuro diverse Male im Machtdose-Podcast gespielt.

Das war damals eher lieblichnetter Elektropop. Dazu ist er nicht zurückgekehrt, sondern ist wieder ganz woanders: Große Geste, Selbstinszenierung als waidwunder Pan und ausgestellte Verletzlichkeit (was einen dann wahrscheinlich eben gerade unverletztlicher macht). Mittlerweile einer der gefragtesten Produzenten überhaupt, dieses Jahr etwa mit Björk ihr Album gemacht.

8 Broken Social Scene – Hug of Thunder

Nach glaube ich sechs Jahren mal wieder ein neues Album der Vielköpfer. Und im Gegensatz etwa zu Feists eher puristisch-skizzenhaften Album, eines, das ich mir von denen genau so gewünscht habe. Ehrlicherweise etwas zu wenig gehört als es verdient hätte, sonst wärs mit einiger Wahrscheinlichkeit noch weiter oben gerankt gewesen.

7 Helmut – Our Walls

Konnte ich dank CC-Lizenz auch dieses Jahr im Podcast spielen. Insgesamt sehr angenehm und rund und sehr gut geeignet z. B. bei konzentriertem Arbeiten anzuhören.

6 Circuit des Yeux- Reaching for Indigo

Das ist stellenweise so ein bisschen Überwältigungsmusik, durchaus nicht unangeberisch. Aber hey, wer bin ich, das irgendwem vorzuwerfen, reißt schon mit.

5 Eeem [eim] – Perturbed Trajectories

Eine Gebrauchsplatte, aber im allerbesten Sinn. Denn das war mein häufiger Einschlafhelfer in diesem Jahr, führt dich sanft in Traumtiefen. Und, wird auch gerne unterschätzt: mal Ambient, der nicht doof-esoterisch klingt. Übrigens ganz for free zum Download zu haben. Wer also Schlafstörungen hat, dem empfehle ich das.

4 Laura Marling – Semper Femina

Marlings sechstes Album. Nach zwei guten (weil schlecht kann sie ja nicht) wieder ein richtig-richtig gutes. Instrumentarium erweitert. Immer noch die beste Stimme der Welt.

3 Four Tet – New Energy

Auch wieder ein alter Bekannter. Triggert mich in allem, wieder n bisschen minimalistischer, wie ich mir einbilde, stark beeinflusst von afrikanischer Rhythmik. Vielleicht aber auch Quatsch.

2 The Flaming Lips – Oczy Mlody

Flaming-Lips Sänger Wayne Coyne halte ich ja sowieso für eine der coolsten Socken überhaupt. Komischerweise kam die Platte kritikerseits eher nicht so gut weg. Für mich die beste tatsächlich seit Yoshimi Battles… Vor allem: funktioniert als Album wunderbar. Hab vielleicht auch den Schuss Psychedelik gebraucht dieses Jahr.

1 Photay – Onism

Mit Abstand die Platte des Jahres (auch ganz vorne bei den Tracks, siehe dort). Beim ersten Hören schon Begeisterungsrufe und bietet eben beides: extremste Tanzbarkeit und gleichzeitig in der Form bisher unerhört.