Alben 2018 – No. 1: Roman Poncet – Gypsophila

Hier werden mir nicht alle folgen, aber: ein vor allem dramaturgisch exzellent strukturiertes Album. Steigt aus chtulhuhaften Tiefen als Dunkel-Dubtechno über stupides Trancetrommelgeklöppel zu absoluten Techhousekloppern auf, um dann langsam wieder hinabzusinken in den Mariannengraben. Ja, es ist monoton, es hätte vor n Jahren genauso herauskommen können. Love it.

Gescheites Video fand ich leider keins, daher nur Verweis auf Bandcamp für den Stream:

Alben 2018 – No. 2: Snail Mail – Lush

Manchmal ist es ganz einfach: Gitarre, Bass, Schlagzeug, Melodie. Mein erstes Retroerlebnis, das in die 1990er Jahre verweist, denn daher kommt Snail Mails alias Lindsey Jordans Erstling soundseitig her. Passiert einem machmal, läuft dir was über den Weg, von dem du gar nicht wusstest, dass du es vermisst hast. So hier.

Alben 2018 – Nr. 3: Low – Double Negative

Low gibt es schon ewig und wurden u.a. dem „Slowcore“ zugerechnet. Wenn sie Slow waren, dann aber so, dass sie einfach auf der Stelle blieben. Jetzt dieses Album, das schlichtweg einen der radikalsten Soundwechsel markiert, die ich überhaupt kenne: Songs werden in Säure gelegt und zersetzt, das Ganze so lange geköchelt, bis es in neuer Gestalt als Bläschen wieder aus der Lösung hervorsteigt. Wahnsinnig schön und ennervierend zugleich. Dekonstruktion im Wortsinne.

Alben 2018 – Nr. 4: Four Tet – Live at Funkhaus


Ich war da! Am 10. Mai spielte Four Tet im Funkhaus, das erste Mal für mich, dass ich überhaupt vor Ort war, fast schon Ereignis genug. Innen zumindest lädt der Saal, in dem Kieran Hebden mittig mit seinem Pult positioniert war, schon architektonisch dazu ein, dass das DJ-Ding zum Hochamt gerät, kein Wunder dass Fotos davon ans Abendmahl gemahnen, hier mal meins vom Abend:

Umso schöner also, dass genau dieses Konzert überraschend als Livemitschnitt herausgegeben wurde (siehe Bandcamp). Begünstigend mag hinzugekommen sein: a) das traditionell eher mild enthusiasmierte Berliner Publikum, dass nicht in die Aufnahmen reinfunkt b) die kristallkrispe Aufnahmequalität, begünstigt durch die Raumakustik? Letztlich sinds vor allem Stücke vom letzten Album (letztes Jahr bei mir auf Platz 3), aber tatsächlich macht das einfach Spaß, das Ganz nochmal 2 Stunden am Stück ineinanderverwoben und mit dieser Klarheit zu hören und den Hauch Live noch mit dabeizuhaben (und dass ich da war! macht dann sicher auch nochmal ein Plus an Hörenwollen).

Alben 2018 – Nr. 5: Jon Hopkins – Singularity

Vor 5 Jahren war der Vorgänger meine Jahres-Nummer-Eins. Der Nachfolger ist im ziemlich selben Soundregister, setzt nur in jeder Hinsicht einen drauf und dehnt sich nochmal in alle Richtungen aus. Explorationsmusik für Sternenfahrten. Dass es dennoch „nur“ die 5 wird in diesem Jahr spricht sehr für dieses Musikjahr.

Alben 2018 – Nr. 6: Kira Kira – Alchemy & Friends

Kira Kira aus Island bedient das Islandklischee: Hauchzarte, gedehnte Harmonien, Elfenklang. Sehr ins Ambiente und schöner Ohrwärmer etwa, wenn’s draußen eklig wird. Augen schließen und in weite Tropfsteinhöhlenwelten fliehen.

[Unteres fängt etwas heftiger an, das ist aber das einzige Mal auf dem ganzen Album. Nach ca. 40 Sekunden triffts den Charakter der ganzen Platte besser]

Alben 2018 – Nr. 7: Beach House – 7

Neues Beach House Album geht immer in Rolands Charts. So will es das Gesetz. Aber – auch nach dem siebten Album: sie machen nunmal nie was schlechtes. Das Wunder daran: als Drei-Zutaten-Köche backen sie trotzdem jedesmal wieder neue Wunder, Samesame und trotzdem aufregend, hier sind auch nochmal mindestens zwei Titel drauf, die jetzt aber mal wirklich endgültig die besten jemals von ihnen sind, denkt man, also ich.

Alben 2018 – Nr. 8: Against All Logic – 2012 – 2017

Das Album ist ein Abfallprodukt. Nicolas Jaar ist für eher kopflastige Electronica mit programmatischen Titeln und Satie-Anleihen bekannt, für mich immer so halbinteressant. Unter dem Moniker Against All Logic und damit wohl für viele (inklusive mir) unter dem Radar hat er dann die letzten Jahre einfach hie und da Genreperlen in Sachen Tanzbarkeit rausgehauen, die sich jetzt hier vereint finden. Um ein berühmtes Rezensionsmeme zu bemühen: So eine Platte hätte Nicolas Jaar schon früher gemacht, wenn er nicht bescheuert gewesen wäre.